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25.3.06

Der Pinguin wird Buchhalter

Zahlreiche Unternehmen vertrauen ihre Buchhaltung Open-Source-Strukturen an. Dabei zeichnen sich drei Haupttrends ab: Im Backend hat sich Linux etabliert, auf dem Desktop kommt es dagegen aus den Startlöchern nicht hinaus und für »echte« Open-Source-ERPs schält sich ein Kandidat heraus, über dessen Marktreife die Meinungen auseinander gehen. ERP-Systeme sind aus den Unternehmenslandschaften nicht mehr wegzudenken. In diesem Bereich, wo mit kritischen Daten gearbeitet wird, wurde bis vor einigen Jahren Linux noch argwöhnisch beobachtet. Das hat sich mittlerweile geändert: Vor allem ERP-Anbieter, die bisher ausschließlich auf IBM-Mainframes mit dem Betriebssystem OS/400 zu finden waren, hoffen auf zusätzliche Geschäfte und Partner, wenn sie ihre Software auf Linux und Windows portieren. So haben sich etwa die Schweizer Bison AG und die Münchner SoftM AG zusammengetan und propagieren das Produkt Greenax, das hauptsächlich für den Handel ausgelegt ist und erstmals auf der Cebit vorgestellt wurde. Die neue Software basiert auf Java und Service-orientierter Architektur (SOA). »Wir werden Greenax über autorisierte Partner in Deutschland vertreiben«, betont Ralf Gärtner, Vertriebsvorstand von SoftM. In ähnlicher Weise strukturiert auch die Kölner GUS-Group, die ebenfalls von der AS/400 kommt, ihr Portfolio um. »80 Prozent des Neukundengeschäftes laufen dann aber auf Windows, Linux ist in erster Linie im Vorfeld ein Thema«, berichtet Rolf Eckertz, Vorstand Entwicklung bei GUS. Eine andere Tendenz erkennt dagegen Helge-Frank Zimpel, Produktmanager bei Bäuer: »Im Backend ist bei unseren Kunden das Verhältnis Windows zu Linux 50:50«. Von einem Linux-Anteil von 40 Prozent mit steigender Tendenz bei den Kunden im Backend, darunter der größte deutsche Einzelhandelsdiscounter, berichtet auch Wolfgang Grandjean, Vorstand von Wilken. Nicht durchgesetzt hat sich dagegen Linux auf dem Desktop, das von Bäurer noch vor zwei Jahren sehr offensiv propagiert wurde: »Wir forcieren das Thema nicht mehr«, gesteht Zimpel ein. Einige vorzeigbare Referenzen kann dagegen die GUS-Group vorweisen: Zwei Kunden aus dem Bereich Chemie/Pharma haben sich für Open Office entschieden. »Das liegt daran, dass bei diesen Kunden IT-Administratoren mit hoher Linux-Kompetenz arbeiten, die auch den Support selbst besorgen«, erläutert Eckertz. Da diese Konstellation bei Unternehmen aber eher selten anzutreffen ist, kommt Thorsten Wichmann, Vorstand des Marktforschungsinstituts Berlecon, zu dem harten Urteil: »Linux auf dem Desktop ist heute nicht weiter als vor einem Jahr.« Die Migrationsprobleme seien nicht trivial und anfänglich deutlich unterschätzt worden. Für interessanter hält Wichmann die Entstehung von echten, lizenzfreien Open-Source-Applikationen. Es zeichnet sich ab, dass bei ERP nur ein Projekt das Potenzial hat, zu einem ähnlichen Erfolg zu werden, wie Jboss bei Application Servern und MySQL bei Datenbanken: Compiere wird vom Reifenhersteller Goodyear gesponsort. Die Lösung positioniert sich laut Yves Sandfort, Vorstand des größten deutschen Compiere-Partners Comdivision, in erster Linie als Alternative zu Navision: »Kunden, die eine einfache Warenwirtschaft wollen, sind mit den Box-Produkten von Lexware oder Sage besser beraten.« Compiere erfordert einen ähnlichen Beratungsaufwand wie eine SAP-Implementation, Projektlaufzeiten von mehreren Monaten sind nichts Ungewöhnliches. Dass das Produkt noch Schwächen bei der Produktionsplanung hat, wie Analysten und Wettbewerber bemängeln, gesteht auch Sandfort zu. Zudem warnt er ausdrücklich davor, die OS-ERP-Lösung mit anderen Open-Source-Produkten zu kombinieren, zu empfehlen sei ein Betrieb auf einer Oracle-Datenbank unter Solaris. Dennoch sieht er eine gute Chance für neue Compiere-Partner mit ERP-Kompetenz vor allem bei Kunden aus dem Handel, lizenzfreie Software an den Mann zu bringen.